Legionellen sind Bakterien, die beim Menschen schwere Lungenentzuendungen mit nicht selten toedlichem Verlauf verursachen. Wie an der Universitaet Wuerzburg gezeigt wurde, ist eine Zuckerstruktur auf der Oberflaeche der Bakterien an der Infektion beteiligt.
Legionellen kommen im Wasser vor und sind damit als Umweltkeime anzusehen. Sie wurden erst 1976 entdeckt, als sie die Teilnehmer eines Kriegsveteranen-Treffens in Philadelphia dahinrafften - mit Bezug auf die Opfer wurde die Infektion Legionaerskrankheit genannt. Diese Bezeichnung schlug sich spaeter, als die Bakterien isoliert und beschrieben waren, auch bei deren Namensgebung nieder.
In ihrer natuerlichen Umgebung, dem Suesswasser, leben und vermehren sich die Legionellen in Amoeben. Die Gemeinschaft mit diesen harmlosen Einzellern wird erst durch den Einfluss des Menschen aus dem Gleichgewicht gebracht: "Vermutlich kommt es durch die Erwaermung des Wassers in Wasserleitungssystemen, Wasserspeichern oder Kuehltuermen zu einer ueberproportionalen Vermehrung der Bakterien", sagt Dr. Edeltraud Lueneberg vom Institut fuer Hygiene und Mikrobiologie der Universitaet Wuerzburg. Der Mensch infiziere sich, wenn er legionellenhaltige Fluessigkeitstroepfchen einatmet. Die Quelle solcher Fluessigkeitstroepfchen koennen Duschkoepfe, Whirlpools oder Klimaanlagen sein.
Dr. Lueneberg untersucht mit Foerderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft den Einfluss des sogenannten Lipopolysaccharids (LPS) auf die Faehigkeit der Legionellen, den Menschen zu infizieren. Das LPS ist eine Zuckerstruktur, die sich auf der Oberflaeche der Bakterien befindet und die Eigenschaften der Oberflaeche entscheidend bestimmt. Diese wiederum sind sowohl fuer die Anlagerung der Legionellen an ihre Wirtszellen als auch fuer das Eindringen in die Zellen notwendig.
Die Wuerzburger Forscher haben Gene identifiziert, die fuer den Aufbau des Lipopolysaccharids notwendig sind. Wenn sie einzelne dieser Gene gezielt ausschalten, also eine Mutation verursachen, koennen sie die LPS-Struktur und damit auch die Oberflaecheneigenschaften von Legionellen veraendern. Dass LPS fuer eine Infektion noetig ist, wurde anhand einer spontan aufgetretenen Mutation gezeigt. Nun soll die Rolle des LPS beim Ablauf der Infektion im Detail untersucht werden.
Zudem haben die Wissenschaftler herausgefunden, dass die Legionellen wechselweise zwei unterschiedliche LPS-Strukturen bilden koennen. Sie wollen jetzt die Bedeutung dieser LPS-Molekuele sowie die Bedingungen ermitteln, unter denen jeweils eine der beiden Formen entsteht. Von den Forschungen am Institut fuer Hygiene und Mikrobiologie sind neue Moeglichkeiten zur Diagnostik und Typisierung von Legionellen zu erwarten.
In der Bundesrepublik gibt es, außer in Mecklenburg und Brandenburg, keine Meldepflicht für Legionellen. Aus diesem Grund sind keine zuverlässigen Zahlen über die Anzahl der tatsächlichen Erkrankungen verfügbar.
In Spanien ist die Legionellose meldepflichtig. In Deutschland liegt die Meldepflicht dem Bundestag zur Entscheidung vor. Viele durch Legionellen verursachten Erkrankungen werden - da sind sich befragte Fach-Mediziner sicher - nicht richtig erkannt.
Es gibt Schätzungen, welche von 6.000 bis 12.000 registrierten Erkrankungen ausgehen. Die Letalitätsrate beträgt rund 20 bis 35%! Damit sterben an den Folgen von Legionellose alleine in Deutschland jährlich zwischen 1200 und 4200 Menschen. Es sind somit Tag für Tag rund 3 bis 11 Legionellentote zu beklagen. Die zahlenmäßige Wahrheit liegt sicherlich irgendwo in der Mitte.
Ein Bericht in der medizinischen Fachzeitschrift PHARMIND nennt eine Untersuchung bei der von 110 schweren Lungenentzündungen 13,6% eine Legionelleninfektion als Ursache hatten.
Das Problem ist nur, mit herkömmlichen
Methoden lassen sich Legionellen kaum aus dem Trinkwassernetz beseitigen. Die
UV-Bestrahlung des durchfließenden Wassers, gleichgültig ob mit Ultraschall unterstützt
oder ohne, "beseitigt" eben nur Zellen im durchfließenden Wasser und hat
keinen Einfluß auf die Biofilme an den Oberflächen der vom Trinkwasser berührten
Wandungen. Auch in Amöben "versteckte" Legionellen werden größtenteils von
der UV-Bestrahlung nicht erfasst und durchgelassen. Thermische Trinkwasserbehandlung (
häufig fälschlicherweise als Desinfektion bezeichnet ) wie in einschlägigen
Richtlinien ( DVGW 551 und 552 ) empfohlen, beseitigen die Legionellen nicht vollständig
- andere, hitzebeständige Bakterien überhaupt nicht - somit finden die Legionellen nach
der aus Sicherheitsgründen erforderlichen Abkühlung des Rohrsystems einen vollen
"Kühlschrank" zur Population in nur 20 Minuten (bei optimaler
Nahrungsversorgung) vor und der Vorgang der thermischen Trinkwasserbehandlung muß binnen
Wochenfrist wiederholt werden. Neueste Untersuchungen zeigen, daß Sporen von Legionellen
auch noch bei 90 Grad überleben! Häufig werden aus Sorge vor der Legionelle die
Trinkwassersysteme permanent mit sehr heißem Wasser (höher als 60 Grad) beaufschlagt.
Die Gefahr der Verbrühung von Personen wird dabei aus zwei Gründen unterschätzt:
1. Armaturen welche das Wasser am Austritt mit kaltem mischen, können versagen (kein
Hersteller gibt hierfür eine Gewährleistung), die Kaltwasserseite wurde abgesperrt (z.B.
bei Wartungsarbeiten) oder
2. der Nutzer spürt heißes Wasser durch eine Lähmung nicht!
Außerdem hält kein heute verwendetes Rohrmaterial auf Dauer solche thermischen Torturen
aus. Der Energie- und Wasserverbrauch sowie Personalkostenaufwand sind neben einer Gefahr
für das Personal durch Verbrühung auch beträchtlich. Dabei wird die Kaltwasserseite,
welche meist im Sinne der Trinkwasserverordnung gar keine mehr ist (Temperaturen müssen
immer - auch in Stillstands-/Stagnationszeiten - unter 18 Grad bleiben, darüber vermehren
sich Bakterien stark), überhaupt nicht mehr berücksichtigt. Auch moderne, elektronische
"Legionellenschaltungen" erreichen nur die angesteuerten Duschen und nicht die
manuell zu bedienenden Ausläufe. In diesen "thermisch-hydraulischen"
Totstrecken bleibt der Biofilm völlig unberührt und kann sich in kürzester Zeit wieder
im ganzen System ausbreiten.
Legionellen haben zudem noch eine ganze Reihe Tricks auf Lager, welche dazu führen, daß sie "Angriffe" konventioneller Art problemlos überstehen und ihre Art erhalten können.
Aber wie so häufig im Leben ist es auch hier die richtige Kombination aus verschiedenen Techniken die zum Erfolg führt - und diese ist bei jedem Rohrsystem individuell zu beurteilen.